Niemand steckt mir 'nen goldenen Löffel in den A...

... und streut Zucker auf mein Krönchen. 

Will heißen, ich habe keinen direkten mentalen oder emotionalen Support, keinen Mentor, keine Coachin. Nicht mal mein Ehemann liest meine Bücher. 

Und gerade das macht mich frei.

 

Ich war schon früh auf mich allein gestellt. Zumindest habe ich die Atmosphäre in meinem Elternhaus als kleines Kind so wahrgenommen. Ich bin an einem Sonntag im April 1969 zur Welt gekommen. Ein Sonntagskind. Aber auch ein Widder. Und der will früh durch alle Wände. Offene Türen langweilen ihn nur. Das macht mich anstrengend. Anstrengend für andere. "Warum bist du nur so ...? Warum kannst du nicht/Warum kannst und willst du es immer anders machen und dich nicht anpassen?" Wenn diese Fragen an mich nicht ausgesprochen wurden, so habe ich sie in den Tränen meiner verzweifelten Mutter über meine "Bockigkeit" oder im Föhnwind des Gebrülls meines Vaters gespürt. 

Und da habe ich angefangen zu versuchen mich anzupassen. Um ja nicht aufzufallen, um ja diese Gefühle bei den anderen nicht auszulösen. Auf Zehenspitzen habe ich versucht ... ja, was? Eigentlich habe ich versucht auf Zehenspitzen Mauern einzurennen. 

 

Ich wusste ganz tief in mir drin, dass ich etwas Großes erreichen, ein freies Leben, mit vielen wundervollen Menschen um mich herum, mit Kunst, Kreativität, viel Lachen und noch mehr Ideen führen wollte. Schon früh habe ich gegen sexistische Barrieren aufbegehrt. Warum sollte ich als Mädchen nicht lange draußen bleiben, bis in die Nacht auf Parties feiern oder sonstige Dinge tun dürfen, die Jungs so tun? Das entbehrte für mich jeglicher Logik. 

 

Heute als Mutter verstehe ich natürlich meine Mutter viel besser. Mehr Logik hat es aber immer noch nicht für mich. 

 

Einer meiner Arbeitgeber kam mal auf die Idee eine Fortbildung an einem Wochenende in einem Wellness Resort abzuhalten. Natürlich bin ich mit den Abteilungsleitern in die Sauna gegangen. In die textilfreie wohl gemerkt. Warum auch nicht?! Gleiches Recht für alle! Tja, leider wird in der (Berufs-)Welt immer noch - und das finde ich so himmelschreiend, unfassbar, unsäglich UND unlogisch - auch im 21. Jahrhundert mit zweierlei Maß gemessen. Was Männer dürfen oder wofür sie womöglich als Helden hingestellt werden, dürfen Frauen noch lange nicht, oder wird ihnen gerne zum Nachteil ausgelegt. 

 

Noch. 

 

Passiver Widerstand ist, in meine Augen, die wirksamste Waffe gegen alles.

Bild von Eric Ward, Mädchen mit Ballon von Banksy
Bild von Eric Ward, Mädchen mit Ballon von Banksy

Wir Frauen haben nun schon so viele Jahrzehnte die gleichen Rechte für die Männer. Wir dürfen alles! Vorallem dürfen wir alles anders machen. Auf unsere Weise. Weiblich eben. Und wenn jemand ein Problem damit hat, es als PMS, Gedöns, mit verdrehten Augen als Weiberkram oder sonst wie abtut, dann darf er das Problem gerne behalten, denn es ist seins. Und ich lasse mich nicht aufhalten. Und gehe einfach nicht hin. Ich gehe nicht an die gläserne Decke, fordere keine Frauenquoten, ziehe weniger Hosen an, habe mein Östrogen immer dabei und verzichte auf testosteronlastiges Brusttrommeln. 

 

Ich nutze meine weibliche Intuition um empathisch meine Mitmenschen zu unterstützen und sie zu fördern und zu fordern, so wie eine Mutter das auch tut. 

Dabei verteile ich weder goldene noch silberne Löffel. Und rosa Glitzerzucker ist innen und außen ungesund und unnötig, sowohl für mich als auch für alle anderen. 

 

Konfetti Foto von Plush Design Studio via Unsplash
Konfetti Foto von Plush Design Studio via Unsplash

 

Stattdessen kann ich darauf vertrauen, dass in jedem Menschen, egal, welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe, welcher Religion und welcher Herkunft ein Potenzial steckt, dass gelebt werden will. Und diesem Potenzial gilt es Zeit und Raum zu geben. Dieses Potenzial ist unendlich, unfassbar und die Lösung all unserer Probleme. Wenn wir es denn ließen. 

 

Es geht weder darum etwas zu ver(schlimm)bessern, noch Mängel mit Nürnberger Trichtern zu beheben, mehr Anpassung und mehr Therapien für Kinder zu fordern, sondern dem Raum zu geben, was da so verzweifelt, schräg, laut, ungewohnt und unangenehm "bockig) raus will und es in eine konstruktive Bahn zu lenken - den Wildfluss naturnah seine Kraft entfalten lassen, aber ihm auch ein Bett geben wo das geht. 

 

Und mit unseren heutigen technischen Möglichkeiten geht alles. Und in uns auch. Ich bin absolut überzeugt davon, dass wir auch moralische Werte schon in uns haben. Dass kein Baby auf die Welt kommt, um anderen zu schaden. Ich will hier keine Diskussion eröffnen, ob das Gute in den Genen ist, sondern darüber, dass wir alle jederzeit völlig frei sind und das gerade Barrieren uns auffordern sie zu überschreiten also uns selbst, ohne dieses oder jene Coachingprogramm, ohne einen direkten Mentor, denn auch oder gerade Widerstände können uns führen. 

 

Es geht also im Leben nicht darum, unseren Kindern alle Widerstände aus dem Weg zu räumen (und macht eine Frauenquote etwas anderes?), sondern durch einfühlsames Nachfragen und Spiegeln zur Reflektion anzuregen, damit sie in sich und durch sich selbst heraus eine Lösung finden. Und bevor hier jetzt wieder polemische Einwände kommen: Natürlich reiße ich mein Kind von einer Gefahr zurück ohne lange Reflektion ... die kann man dann beim Abendbrot in familiärer Runde am Abend nachholen ^.- . 

 

Wenn wir Frauen wirklich frei leben und unseren Kindern ein nachahmenswertes Vorbild sein wollen, dann tun wir die Dinge einfach. Und zwar auf unsere Weise. Aus dieser unendlichen Quelle in uns ... unserer Intuition und der damit verbundenen Kreativität (=Schöpferkraft!). So schaffen wir unsere eigene Wege und die dürfen so sein wie wir - wild/leicht/herausfordernd/rhythmisch/in Wellen/in Schleifen/in die Tiefe/zu den Sternen/alles zu unserer Zeit/einsam/kollegial/leuchtend oder dunkel ... oder eben mit Glitzer.

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