Halbleere Gläser gibt es nicht - sie sind immer ganz voll

Photo by Paulius Dragunas on Unsplash
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Ratgeberbücher, Coaching, Mentoren - Ein ganzer Wirtschaftszweig bezieht seinen Reichtum aus dem Mangel. Natürlich ist grundsätzlich nichts schlecht daran, anderen Menschen zu helfen. 
Doch was bedeutet es wirklich, dass so viele Menschen Hilfe benötigen?

 

Es beginnt schon in der Schwangerschaft. Immer scheint die Natur zu blöd zu sein, dass Konzept zuende zu kreieren. Wenn du als Mutter tatsächlich glaubst, du könntest dein Kind alleine ohne technische Hilfsmittel auf die Welt bringen, deine Vormilch würde dein Kind ausreichend mit Nährstoffen versorgen und sättigen und du die Aufgaben der Elternschaft intuitiv bewältigen zu können, dann mach dich auf was gefasst. Der Vorwurf der Verantwortungslosigkeit ist noch die harmloseste Variante von "du kannst das nicht - du schaffst das nicht - lass das sein!", richtig übel wird es, wenn diverse Produkt- und Leistungsanbieter dir derartig massive Ängste einflößen, dass du dich am liebsten gleich vom Planeten tilgen willst, weil du angeblich zu dumm für alles bist und ohne all dies niemals überleben wirst. Und diese Ängste gibst du dann an dein Kind weiter. 

 

Es fehlt dir an diesen Fähigkeiten und jenen Produkten und so wird ab der Wiege der Nürnberger Trichter geöffnet und überschüttet dich ... ja, womit eigentlich?

Die meisten Menschen wachsen nicht mit dem Gefühl auf "genug" zu sein. Sich müssen nicht nur ihr Zeitmanagement sondern ihre ganze Persönlichkeit optimieren. Sie trauen sich kaum eine eigene Entscheidung zu fällen. Sie könnten ja sonst ihren Partner, ihren Job, Geld, ihr Leben verlieren und merken nicht, dass das bereits passiert ist. Und bei den Millenials ist es gleich richtig schizo gelaufen. Denn denen wurde auf der einen Seite jeder Schritt mit einem Abzeichen, Orden oder (Füller)-Führerschein vergoldet und andererseits wurde ihnen nicht zugetraut auch mal einen Schritt allein, aus eigenener Kraft und eigenem Antrieb zu schaffen oder gar ein Hindernis zu überwinden. Zucker in den A... geblasen zu bekommen, ist kein Ausdruck von Fülle und auch kein Rückenwind, sondern die Bremse des Zweifels an deine Fähigkeiten. 

 

Wenn jemand realistische zeichnen lernen will, muss er sehen lernen. Dadurch verändern sich seine Sehgewohnheiten und er bekommt einen Blick für das Ganze (Bild). Er sieht Linien und Flächen, aber auch Zusammenhänge, Kausalitäten, Grenzen und die Fülle. Er erkennt mit seinem Auge, seiner Seele und seinem Geist wer er ist und wie er im Verhältnis zur der Welt "da draußen" steht. Zu malen und zu zeichnen ist wie ein (Jakobs)Weg mit Pinsel und Stift, mit Herz und Verstand. Es ist eine umfassende, ja ganzheitliche Schulung des Menschen und kann seine ganze Fülle hervorbringen.

 

Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstsicherheit, Selbstwert, Selbstwirksamkeit erwachsen daraus, dass ich Erfahrungen im Leben mache. Wenn meine Erfahrungen nur darauf basieren, dass ich immer erst dieses oder jendes (Ausbildung, Ausstattung) brauche, bevor ich mich ganz der Erfahrung hingeben kann, dann ist die Erfahrung schon mangelhaft - mit einem Mangel behaftet. Schon mit der Entscheidung erst etwas Äußerliches zu brauchen, distanziere ich mich von der Erfahrung statt voller Vertrauen in mich selbst und in den Prozess einzutauchen. 

 

So geben die Menschen sich also nicht völlig hin. Du gibst immer nur den Teil, den du für mitteilungswürdig hälst, im Zweifelsfall einen künstlich erschaffenen Teil, eine Maske, die dein wahres Gesicht, dass vom Glauben an den Mangel entstellt ist. verbirgt. Und das ist nicht nur unendlich schade, sondern auch unendlich schädlich für unsere Gesellschaft. 

 

In Wahrheit bringt jeder Mensch so viele wundervolle Facetten mit auf die Welt, die es zu explorieren und zu leben gibt, dass wir locker endlich alle Probleme auf diesem Planeten lösen könnten. Wenn, ja, wenn endlich mehr Menschen sich (zu)trauten zu gehen um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man einfach ginge. Das Leben ist schön. Es ist Fülle. Dieses ganze Logistik "da draußen" und in dir, mit biochemische Prozessen, mit Bauplänen, mit Hormonen, mit dem angestrebten Gleichgewicht, dass dafür sorgen soll, dass für alle gesorgt ist - es ist einfach wundervoll! 

 

Wenn du das doch sehen und fühlen könntest. Dann würdest du dich nicht mehr unter Wert verkaufen. Du würdest den Beruf ergreifen, der am besten zu deiner Fülle passt und so noch mehr Fülle (Freude an der Arbeit, effizient vollbrachte Projekte, leistungsgerechtes Einkommen, Auskommen für dich und deine Familie, weniger stressbedingte Krankheiten) für alle hervorbringt. Du würdest täglich mit einem Lächeln aufwachen und in absoluter Freiheit leben, denn du kennst keine Ängste, weil du weißt, du hast alles und bist alles um jegliche Herausforderung des Lebens anzunehmen und zu überwinden. 

 

Ohne Ängste erwiederst du die Freude und Freundlichkeit deiner Mitmenschen, jegliches Tun erwächst aus deinem tiefsten Innersten und aus dem Bedürfnis, diese Fülle zu teilen, weil du weißt, dass es keinen Mangel an irgendetwas gibt. 

 

Kopfzerbrechen, Gedankenkarussell, psychosomatische Störungen, Nöte und Ängste kennt die Gesellschaft, die ihre Fülle lebt, nicht. Und schau dich doch mal um. Schau hin. Beim Malen kannst du wunderbar hineinfühlen in das Leben. Das Leben ist Fülle. Es gibt alles. Es gibt Probleme und Lösungen, es gibt Hass und Liebe, es gibt Menschen, die deshalb ihr Potenzial entfalten, gerade weil andere sie daran hindern wollen. Alles ist!

 

Natürlich kannst du denken, dass es doch halbleere Gläser gibt. Aber es ist genau das. Nur ein Gedanke ...

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